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Berlinführer (mit Brandenburg) -  Kunst und Architektur -  Belletristik -  Zeitgeschichte

 

                  R E Z E N S I O N E N


 

 

 



 

Celina Kress

Adolf Sommerfeld / Andrew Sommerfield (1886-1964)
Bauen für Berlin 1910-1970

Lukas Verlag, 2011



Die Anfänge der Unternehmungen Adolf Sommerfelds (1886-1964) lagen in der Hermannstraße in Rixdorf bei Berlin, das nach Erlangung des Stadtrechtes 1899, in wenigen Jahren nahezu explosionsartig auf 237 000 Einwohner angewachsen war. Hier entstand 1910 die erste Firma des jüdischen Bauunternehmers, der als Zimmermann begonnen hatte und fortan, höchst erfolgreich, seinen Platz zwischen Handwerk, Architektur und Industrie auslotete und dabei ein feines Gespür für Krisen und Konjunkturen bewies.
Während des Ersten Weltkrieges machte er mit Holztragwerken für Industriehallen, für die er in West- und Ostpreußen eigene Sägewerke und Tischlereien betrieb und mit dem Bau von Massenunterkünften hervorragende Geschäfte. Nach dem Krieg konnte er Aufträge zum Umbau von Kriegsschiffen und für Reparationsbaumaßnahmen in Frankreich und Belgien akquirieren.

Sein Privathaus, das 1920/21 nach Plänen von Walter Gropius und Adolf Meyer auf dem Gelände der „Terraingesellschaft am Neuen Botanischen Garten“ in Berlin-Lichterfelde entstand, an der er selbst die Aktienmehrheit hielt, war das Luxusmodell eines Blockhauses, das äußerlich wenig mit dem Neuen Bauen zu tun hatte. An seiner Innengestaltung war dagegen mit Joost Schmidt, Walter Gropius, Dörte Helm, Fred Forbat, Josef Albers oder Marcel Breuer die Elite des Bauhauses beteiligt. Sommerfeld nutzte das Haus wie eine Visitenkarte, mit dem er die von ihm betriebene industrielle Weiterentwicklung der traditionellen Blockhaus-Bauweise demonstrieren konnte.

Zwischen 1920 und 1933 arbeitet er mit den namhaftesten deutschen Architekten zusammen, darunter dem Büro Gropius und Meyer, Richard Neutra und Erich Mendelsohn, Paul Mebes und Paul Emmerich, Otto Rudolf Salvisberg, Bruno Taut, Heinrich Tessenow, Alfred Grenander und, 1925 und 1927, bei den Umbauten des Sportpalastes und des Festsaales der Krolloper, mit Oskar Kaufmann.

Der Autorin gelingt an dem Porträt des umtriebigen Unternehmers, der dem bürgerlich-sozialdemokratischen Teil der Berliner Gesellschaft angehörte und der als Teilhaber wichtiger Entscheidungsnetzwerke in vielfältiger Weise in die bauliche Entwicklung Berlins involviert war, eine anschauliche, zudem großzügig illustrierte Schilderung der Baugeschichte der Stadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach der Arisierung seiner Unternehmen, dem Exil in England, der Übernahme der britischen Staatsbürgerschaft und der Anglisierung seines Namens kehrte Andrew Sommerfield in den 50er Jahren noch einmal an seine alte Wirkungsstätte zurück. Er bemühte sich um Entschädigung und Rückübertragung seiner Unternehmensreste, konnte aber im Westberliner Baugeschehen keine größere Wirksamkeit mehr entfalten.

 


              

 

 
     
 
 

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