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Nadja Cholidis, Lutz Martin (Herausgeber)
Tell Halaf.
Im Krieg zerstörte Denkmäler und ihre Restaurierung
Verlag De Gruyter, 2011
Im Alleingang betrieb Baron Max von Oppenheim die Entdeckung und
Ausgrabung des aramäischen Fürstensitzes vom Tell Halaf zu Beginn des
20. Jahrhunderts und führte seine engagierte Arbeit mit der Gründung
des eigenen Tell Halaf-Museums in der Charlottenburger
Franklinstraße fort. Um den Siedlungshügel Tell Halaf im
Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris entstand ab dem 2.
Jahrtausend v. Chr. die Stadt Guzana, in der heutigen syrischen
Provinz Al-Hasakah nahe der türkischen Grenze. Der Palast datiert
vom frühen 1. Jahrtausend v. Chr.
Oppenheims Museum wurde 1943 durch eine Fliegerbombe getroffen.
Feuer und Löschwasser taten ein Übriges, um die mühevoll geborgenen
Basaltstatuen, die mit zahlreichen Tierdarstellungen, darunter
Gazellen, Löwen, Stiere oder Strauße, versehenen Orthostaten, die
das Fundament der Palastmauern darstellten, das Skorpionentor und
die Kultgegenstände und Alltagswerkzeuge zu zerstören.
Das erst 67 Jahre später verwirklichte Unternehmen der Restaurierung
kommt in Arbeitsaufwand und wissenschaftlicher Feinarbeit einer
zweiten Ausgrabung nahe. Aus dem Museums-Schutt, der wohl überlegt
in den Kellern der Museumsinsel eingelagert worden war, aus 27 000
Fragmenten, gelang es zwischen 2001 und 2009 den Großteil des
ursprünglichen Ausstellungsbestandes wieder zusammenzusetzen. Noch
bis zum 14. August 2011 werden die restaurierten Bildwerke und die
Geschichte ihrer Bergung und mehrfachen Zerstörung in einer
Ausstellung im Berliner Pergamonmuseum zu sehen sein.
Der voluminöse, 5 kg schwere Band, der 500 Seiten zuzüglich eines
131 Seiten starken Tafelteils umfasst und dem eine CD-Rom beigegeben
ist, bietet eine erschöpfende Darstellung dieser dramatischen
Fundgeschichte. Er umfasst mit den historischen Fotos von der
Ausgrabung und den ersten Restaurierungen der monumentalen Platten,
Götterstatuen und Sphinxen, ergänzt durch die Dokumentation der
zweiten Restaurierung den gesamten derzeitigen Wissenskorpus zum
Tell Halaf.
Eine geschichtliche Einordnung auf der Basis von Tontafeln mit
assyrischen und babylonischen Texten im Verein mit den
archäologischen Erkenntnissen zur Stadt Guzana und ihren Palästen,
sowie petrographischen Forschungen zur Bestimmung der Lage der
antiken Steinbrüche wird helfen, ein genaueres Bild von der Tell
Halaf- Kultur, von ihrem Einflussgebiet und von ihrem Untergang zu
entwerfen. (hkl)
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