Johann Amos
Comenius(1592-1670) ist Namens- und Ideengeber des kleinen Themengartens im Böhmischen Dorf in Neukölln. Die plastischen und gärtnerischen Schöpfungen folgen Zitaten aus dem Werk des böhmischen Pädagogen und können als naturpoetische Annäherungen an die Aufgaben verstanden werden, die sich dem Menschen in seinen verschiedenen Lebensaltern stellen. Im westlichen Teil der Anlage stellen Veilchenbeet, Wiesenteppich, Irrgarten oder Lebensquell solche Übertragungen für das Grundschulalter dar. Zauberhafte Wasserkompositionen und dichte, rätselvolle Pflanzenbilder sind hier entstanden. An die Gartenlaube, der die Qualität eines Seelenparadieses zugeschrieben wird, schließt sich eine stärker figürlich bestimmte Partie an. Neben dem Standbild des Gelehrten treten seine pädagogischen Werkzeuge auf: eine Bühne steht für die „Schule als Spiel“ und eine Galerie an der nördlichen Begrenzungsmauer für eine „Welt in Bildern“. In Reihen gepflanzte Obstbäume kennzeichnen zur Richardstraße hin den letzten Erziehungszyklus, den Akademiebereich. Es wird dauern, bis sich die Kronen der jungen Bäumchen treffen und die Baumhallen des Lernens entstanden sind. Zu beiden Seiten des Gartens setzt sich die Folge der Lebenszyklen, wie Comenius sie lehrte, in den Einrichtungen des böhmischen Dorfes fort. Ihren Beginn bildet der, halbrund von Bänken umstandene Walnuß-Lebensbaum am Karl-Marx-Platz, ihr Ende der böhmische Gottesacker in der Kirchhofstraße. Der umzäunte und verschlossene Garten kann, umgekehrt zu seinem thematischen Verlauf, nur von der Richardstraße her betreten werden, wo am Zaun eine Klingel und ein Gartenplan angebracht wurden. Vom Gartenweg führt eine kleine Seitenpforte zum Büro der wissenschaftlichen Gartenbetreuer, die zwischen Frühling und Herbst einmal monatlich botanische, historische, theologische oder philosophische Führungen zu Idee und Gestaltung des Gartens anbieten.